Guestfalienhaus

Ort der Begegnung, 
Lebensmittelpunkt für die Aktivitas und
Gegenstand seliger Erinnerungen

Kurze Geschichte des Guestfalenhauses

Von ihrer Gründung bis zum 35. Stiftungsfest im Jahre 1894 hatte die Verbindung fünfzehnmal das Verkehrslokal wechseln müssen. Es dauerte jedoch noch einige Zeit, bis sich der Gedanke an den Erwerb eines eigenen Hauses allgemein durchgesetzt hatte. Am 31. Juli 1899 fiel die Entscheidung. Dann ging alles sehr schnell. Ein geeigneter Bauplatz stand zu einem erschwinglichen Preis zur Verfügung, so dass das Grundstück auf dem Österberg erworben wurde und im Januar 1902 wurden die Bauentwürfe gebilligt.
Am 20. Juli desselben Jahres konnte im Rahmen des 43. Stiftungsfestes unter dem Seniorat des jungen Eugen Bolz feierlich der Grundstein gelegt werden.
Sehr schnell wuchs der Bau, so dass bereits am 16. September Richtfest gefeiert werden konnte. Ab dem Wintersemester 1902/03 wehte die grün – weiß – schwarze Fahne über dem Dach, und nach weitern neun Monaten Bauzeit konnte der Verbindung zum 45. Stiftungsfest das lang ersehnte Haus übergeben werden, das mit seinem burg- oder schlossartigen Charakter dem Österberg eine besondere Note verlieh.
Das neue Haus wirkte so attraktiv auf viele Studenten, dass Rezeptionszahlen von 30 Neofüxen keine Seltenheit waren.
Durch die intensive und zum Teil zweckfremde Nutzung des Hauses nach dem ersten Weltkrieg wurden in den Jahren 1920/21 umfangreichere Reparaturarbeiten notwendig.
Im Jahre 1931 wurde im Zuge von Maßnahmen zur Instandsetzung des Fundaments auch eine zentrale Heizungsanlage eingebaut.
Von der „Umwidmung“ der Verbindungshäuser in „Kameradschaftshäuser“ durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 war auch das Guestfalenhaus betroffen.
Nach dem Verbot der katholischen Verbindungen durch den „Himmler-Erlaß“ von 1938 wurde es beschlagnahmt;  von Gestapo-Leuten aus Stuttgart versiegelt, stand es bis Kriegsbeginn leer. Nur wenige persönliche Gegenstände konnten gerettet werden. Nach einer kurzen Nutzung als Dienststelle der Wehrmacht wurde das Anwesen 1941 gegen Zahlung von 36.000 RM in den Besitz der Stadt Tübingen überführt, das Inventar versteigert und der Erlös an die Leitung des NS-Studentenbundes überwiesen. Der Couleurfundus ging an das Museum für Studentengeschichte in der Feste Marienburg zu Würzburg, wo er im Februar 1945 durch Bombeneinwirkung und danach durch Plünderung vernichtet wurde. 
Die Räumlichkeiten dienten zunächst als Kinderferienheim und als Kindergarten. 1944 wurden sie als Durchgangslager für Evakuierte genutzt.
Nach dem Einmarsch der Franzosen 1945 diente das Haus als Gefängnis für politisch verdächtige Frauen, danach im Kneipsaal wieder als Kindergarten und im Obergeschoß als Unterkunft für Obdachlose. Immerhin konnte die Hausmeisterfamilie die gesamte Zeit hindurch ihre Wohnung behalten und so das Schlimmste verhüten.
Auf die Aufforderung der französischen Militärregierung hin, unrechtmäßig enteignete Vermögenswerte anzumelden, machten fünf Guestfalenphilister die Ansprüche der Verbindung geltend. 1947 trat der „Bund alter Guestfalen“ die Rechtsnachfolge des „Guestfalenhaus-Vereins“ an; und nach Erstattung der Kauf- summe, die die Stadt Tübingen seinerzeit an den NS-Studentenbund entrichtet hatte, abzüglich einer Nutzungsentschädigung, ging 1948 das Anwesen wieder in das rechtmäßige Eigentum der Verbindung zurück. 
Im Jahre 1956 wurden dann der Umbau und die Erweiterung des Hauses beschlossen. Im Sommer 1959 waren die Arbeiten be- endet, so dass pünktlich zum 100. Stiftungsfest die Übergabe des nun wesentlich vergrößerten Baus stattfinden konnte. Seitdem steht zum Beispiel für Kommerse ein Raumangebot für etwa 300 Personen zur Verfügung, was völlig ausreicht, normale Stiftungs- feste in den eigenen Räumlichkeiten durchzuführen.
Ferner wurde die Zahl der Studentenzimmer von 4 auf 11 erhöht. 
Der Umstand, dass der angrenzende Hang des Österbergs ins Rutschen geriet, machte 1964 Stabilisierungsmaßnahmen am Untergrund erforderlich.
In den Jahren 1969 und 1972/73 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten sowohl in den Repräsentationsräumen wie auch in den Studentenzimmern vorgenommen. 
Die Modernisierungsmaßnahmen von 1988 führten zu dem Zustand, der - von geringfügigen Veränderungen abgesehen – das heutige Erscheinungsbild des Guestfalenhauses prägt. 
Und so bleibt unser Haus, was es von Anfang an war: Ort der Begegnung, Lebensmittelpunkt für die studierende Jugend und Gegenstand seliger Erinnerungen für die Alten Herren.